Erbschaftsteuer optimieren durch postmortale Nutzung von Freibeträgen „Schenkung aus dem Jenseits“

Ein „postmortaler Freibetrag“ kann bei einer erbschaftsteuerlich optimierten Nachfolgeplanung steuersparend eingesetzt werden. Der postmortale Freibetrag ermöglicht, dass der zwischen dem Erblasser und Vermächtnisnehmer existierende persönliche Freibetrag erneut anzuwenden ist, wenn zwischen dem Tod des Erblassers und dem Zufluss aus der „Schenkung aus dem Jenseits“ mindestens zehn Jahre liegen. Das ist z. B. der Fall, wenn einem Erben zugleich ein Vorausvermächtnis zusteht, das aufschiebend bedingt ist, oder die Ablaufleistung aus einer Lebensversicherung unter einer aufschiebenden Bedingung steht.

Dies lässt sich durch entsprechende testamentarische Anordnungen alle zehn Jahre wiederholen. Man muss allerdings darauf achten, dass die Forderung zum Zeitpunkt des Todes nicht fällig ist oder wird. Dies ist z. B. der Fall, wenn ein einzelner Vermögensgegenstand unter einer aufschiebenden Bedingung erworben wird. Mit dem Eintritt der Bedingung kommt es zu einem eigenen Steuerfall. Liegt der Zeitpunkt der Steuerentstehung außerhalb des Zehnjahreszeitraums nach dem Erbfall, ist eine Zusammenfassung mit dem ursprünglichen Erwerb von Todes wegen nicht mehr möglich und die persönlichen Freibeträge können erneut genutzt werden.
 

 

Nicht nur die persönlichen Freibeträge erneuern sich nach der Zehnjahresfrist. Einige sachliche Freibeträge erneuern sich ebenfalls alle zehn Jahre. Insbesondere die Steuerbefreiung nach § 13 Abs. 1 Nr. 1 Erbschaftsteuergesetz (ErbStG) für Hausrat und bewegliche Gegenstände ist hier von Bedeutung.

Bei Erwerb durch Personen der Steuerklasse I ist nach § 13 Abs. 1 Nr. 1a ErbStG Hausrat einschließlich Wäsche und Kleidungsstücke (komplette Wohnungseinrichtung wie z. B. Möbel, Küchengeräte, Fernseher, Bücher, Geschirr, Musikinstrumente unabhängig von ihrer Größe, Haustiere) bis zu einem gemeinen Wert von 41.000 EUR steuerfrei. Bei diesem Betrag handelt es sich um einen Freibetrag. Steuerpflichtig ist nur der über 41.000 EUR hinausgehende Betrag.

Nach § 13 Abs. 1 Nr. 1b ErbStG sind andere bewegliche körperliche Gegenstände (z. B. Geräte für Hobbies, Freizeitgeräte) beim Erwerb durch Personen der Steuerklasse I bis zu einem gemeinen Wert von insgesamt 12.000 EUR steuerfrei. Auch bei diesem Betrag handelt es sich um einen Freibetrag. Steuerpflichtig ist nur der über 12.000 EUR hinausgehende Betrag.

Bei Erwerb durch Personen der Steuerklasse II und III ist nach § 13 Abs. 1 Nr. 1c ErbStG der Erwerb von Hausrat einschließlich Wäsche und Kleidungsstücke und andere bewegliche körperliche Gegenstände zusammenzurechnen, da der Freibetrag hierfür insgesamt nur 12.000 EUR beträgt.

Fazit: Bei Übertragung von großen Vermögenswerten ist der Nutzen von postmortalen Freibeträgen besonders groß da nicht nur der persönliche und sachliche Freibetrag sondern auch oft günstigere Steuersätze abermals zur Verfügung stehen.

 

Ariane Kloeß
Steuerberaterin

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