ERWEITERUNG DES STEUERLICHEN VERLUSTRÜCKTRAGS — VORZEITIGE NUTZUNG VON VERLUSTEN AUS 2020

Um eine bessere Nutzungsfähigkeit der für 2020 zu erwartenden Verluste zu erreichen, hat der Gesetzgeber im Rahmen des Zweiten Corona-Steuerhilfegesetzes zwei interessante Ansätze geschaffen, um Liquiditätsvorteile zu erlangen und 2020 realisierte Verluste bereits nach 2019 zu verlagern.
Erweiterter Verlustrücktrag

Die Höchstbetragsgrenzen beim Verlustrücktrag gemäß § 10d Absatz 1 Satz 1 EStG werden für Verluste der Veranlagungszeiträume 2020 und 2021 von 1 Mio. EUR auf 5 Mio. EUR bei Einzelveranlagung und von 2 Mio. EUR auf 10 Mio. EUR bei Zusammenveranlagung angehoben.

Ab 2022 gelten wieder die alten Werte.

Berücksichtigung künftiger Verluste bei der Veranlagung 2019
Mit Einführung der neuen §§ 110 und 111 EStG wurde möglich gemacht, Verlustrücktragbeträge durch ein (pauschaliertes) Verfahren bei der Festsetzung der Vorauszahlungen und der Veranlagung 2019 zu nutzen.

Vorauszahlungen 2019
Auf Antrag wird der für die Bemessung der Vorauszahlungen für den Veranlagungszeitraum 2019 der zugrunde gelegte Gesamtbetrag der Einkünfte pauschal um 30 % gemindert. Voraussetzung ist, dass die Vorzahlungen für das Jahr 2020 auf 0 EUR herabgesetzt wurden. Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit bleiben dabei unberücksichtigt.

Veranlagung 2019
Auch im Rahmen der Veranlagung für das Jahr 2019, kann auf Antrag vorläufig und pauschal ein Betrag i.H.v. 30 % des Gesamtbetrages der Einkünfte 2019 als Verlustrücktrag aus 2020 abgezogen werden. Auch hier ist der Betrag zunächst um die Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (§ 19 EStG) zu mindern. Weiterhin dürfen auch hier keine Vorauszahlungen für das Jahr 2020 geleistet worden sein. Alternativ ist der vorläufige Ansatz eines nachweisbaren voraussichtlich höheren Verlustvortrags möglich.
Die Berücksichtigung eines vorläufigen Verlustrücktrags aus 2020 begründet eine Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung 2020.

Zinslose Stundung
Wurden die Vorauszahlungen oder die Veranlagungen für 2019 aufgrund eines voraussichtlich erwarteten Verlustrücktrags aus 2020 herabgesetzt, kann sich im Rahmen der Steuerfestsetzung für 2019 eine Nachzahlung ergeben. Diese wird auf Antrag des Steuerpflichtigen bis zum Ablauf eines Monats nach Bekanntgabe der Steuerfestsetzung für 2020 zinslos gestundet.

Überprüfung des vorläufigen Verlustvortrags
Bei der Veranlagung 2020 wird der vorläufige Verlustrücktrag für 2020 nach 2019 überprüft.
Ergeben sich bei der Ermittlung des Gesamtbetrages der Einkünfte für 2020 – keine gleich hohen rücktragsfähigen negativen Einkünfte oder verzichtet man auf den Rücktrag ganz oder teilweise, ist der Steuerbescheid für 2019 entsprechend zu ändern.

Fazit
Die Regelung ist recht komplex und sollte im Einzelfall mit Ihrem Berater in unserem Haus besprochen werden, um hier ein sinnvolles Ergebnis zu erzielen. Klar ist, dass bei der Erstellung der Steuererklärungen 2019 diese Regelungen nicht außer Acht gelassen werden können.

Thomas Apitz
Steuerberater
tapitz@mhp-kanzlei.de

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