Privat betriebene Photovoltaikanlagen – Neuigkeiten zum Wegfall von Erklärungspflichten

Wie bereits in Ausgabe 1/2021 berichtet, entfallen unter gewissen Voraussetzungen die Pflichten zur Erklärung von Einkünften aus kleinen Photovoltaikanlagen auf Antrag in der Einkommensteuererklärung. Hierzu hat sich das Bundesfinanzministerium nun mit Schreiben vom 29.10.2021 erneut geäußert.

Die Voraussetzungen für die Befreiung von den Erklärungspflichten bleiben dieselben, allerdings stellt das BMF klar, dass für die Anlagenleistung unter 10,0 kW, kWp die installierte Leistung nach
§ 3 Nr. 31 EEG 2021 maßgebend ist. Bei Betrieb einer Photovoltaikanlage mit einer installierten Leistung von über 10,0 kW/kWp,
deren maximale Leistungseinspeisung auf 70  % begrenzt ist und
daher tatsächlich eine Leistung von unter 10,0 kW/kWp erbringt, kann die Vereinfachungsregelung nicht in Anspruch genommen werden.
Betreibt ein Antragsteller mehrere Photovoltaikanlagen, dann müssen die jeweiligen Leistungen der einzelnen Anlagen für die Prüfung der 10,0 kW/kWp-Grenze zusammengerechnet werden. Das gilt auch, wenn sich die Photovoltaikanlagen auf verschiedenen Grundstücken befinden.
Der von der Photovoltaikanlage erzeugte Strom darf außerdem neben der Einspeisung in das öffentliche Stromnetz ausschließlich in den zu eigenen Wohnzwecken genutzten Räumen verbraucht werden. Die Vereinfachungsregelung kann z. B. auch in Anspruch genommen werden, wenn sich die Photovoltaikanlage auf einem Zweifamilienhaus befindet, in dem eine Wohnung selbst genutzt wird und eine Wohnung vermietet ist, vorausgesetzt, die technischen Gegebenheiten lassen ausschließlich eine Nutzung des Stroms aus der Photovoltaikanlage in der zu eigenen Wohnzwecken genutzten Wohnung zu.
Das BMF hat sich nun auch erstmals zu den Antragsfristen geäußert. Bei Anlagen, die vor dem 31.12.2021 angeschafft wurden, ist der Antrag bis zum 31.12.2022 zu stellen.
Daher benötigen wir Ihre Mithilfe: Wenn Sie die Vereinfachungsregelung in Anspruch nehmen möchten und im Jahr 2021 eine Photovoltaikanlage angeschafft haben oder der Antrag für eine bereits vorher bestehende Photovoltaikanlage im Rahmen der Steuererklärung 2020 nicht gestellt wurde, informieren Sie uns bzw. reichen Sie Ihre Unterlagen für die Erstellung der Steuererklärung 2021 bitte rechtzeitig im Laufe des Jahr 2022 bei uns ein. Die Einkommensteuererklärung für 2021 kann zwar bis zum 28.02.2023 beim Finanzamt abgegeben werden, für den Antrag auf die Inanspruchnahme der Vereinfachungsregelung ist es dann aber zu spät.
Bei Neuanlagen, die nach dem 31.12.2021 in Betrieb genommen werden, kann der Antrag bis zum Ende des Jahres gestellt werden, das auf das Jahr der Inbetriebnahme folgt.
Neu ist, dass bei Photovoltaikanlagen, die bereits vor dem 01.01.2004 in Betrieb genommen wurden, nach 20 Jahren Betriebsdauer nun ebenfalls ein Antrag auf Inanspruchnahme der Vereinfachungsregelung gestellt werden kann.
Die Umsatzsteuer ist von der Vereinfachungsregelung nicht betroffen. Sofern Sie nicht unter die umsatzsteuerliche Kleinunternehmerregelung fallen, bleiben die umsatzsteuerlichen Verpflichtungen bestehen.

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