Recht auf Vorsteuerabzug – Frist für die Zuordnung zum Unternehmensvermögen gilt weiter

Wenn Sie einen Gegenstand erwerben, der ausschließlich für unternehmerische Zwecke verwendet wird, ist dieser Gegenstand aus umsatzsteuerlicher Sicht zwingend dem Unternehmensvermögen zuzuordnen. Wenn ein Gegenstand (z. B. ein Gebäude oder eine Photovoltaikanlage) jedoch nicht ausschließlich, aber zu mindestens 10 Prozent unternehmerisch genutzt wird, dann haben Sie ein Wahlrecht: Der Gegenstand kann insgesamt dem Unternehmensvermögen oder dem Privatvermögen zugeordnet werden, er kann aber auch in einen unternehmerisch und einen nichtunternehmerisch genutzten Teil aufgeteilt werden. Den vollen Vorsteuerabzug erhalten Sie nur, wenn der Gegenstand vollständig dem Unternehmensvermögen zugeordnet wurde.

Die Zuordnung zum Unternehmensvermögen muss dem Finanzamt erkennbar und zeitnah mitgeteilt werden. Sofern die Zuordnung zum Unternehmensvermögen nicht bereits im Rahmen der Umsatzsteuer-Voranmeldungen erfolgte, galt es bisher als zeitnah, wenn die Zuordnungsentscheidung gegenüber dem Finanzamt bis zur gesetzlichen Regelabgabefrist für Steuererklärungen – grundsätzlich 31.07. des Folgejahres, in dem die Leistung bezogen wurde – erklärt wurde. Fraglich war nun, ob es mit dem Europarecht in Einklang steht, dass ein Mitgliedstaat den Vorsteuerabzug versagt, wenn die Zuordnungsentscheidung zum Unternehmensvermögen nicht bis zu einer bestimmten Frist erfolgt. Mit Entscheidung vom 14.10.2021 hat der Europäische Gerichtshof bestätigt, dass die deutsche Finanzverwaltung eine Frist für die Wahlrechtsausübung setzen darf.

Informieren Sie uns daher rechtzeitig vor dem 31.07.2022 über Anschaffungen, die Sie im Jahr 2021 getätigt haben, damit Sie einen korrekten Vorsteuerabzug erhalten.

Carolin Knapp
Steuerberaterin

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