STEUERLICHER INVESTITIONSANREIZ

Wiedereinführung der degressiven Abschreibung durch das zweite Corona-Steuerhilfegesetz vom 29. Juni 2020
Die degressive Abschreibung als steuerliche Gestaltung hatte in vergangener Zeit an Bedeutung verloren. Durch das zweite Corona-Steuerhilfegesetz und der damit verbundenen Neufassung von
§ 7 Abs. 2 Einkommensteuergesetz (EStG) wurde für die Steuerjahre 2020 und 2021 die degressive Abschreibung wieder eingeführt.

Die degressive Abschreibung ist nunmehr wieder auf bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens anzuwenden. Sie wurde zeitlich befristet eingeführt. Begünstigt sind Wirtschaftsgüter, die nach dem 31.12.2019 und vor dem 01.01.2022 angeschafft oder hergestellt worden sind. Bei der Anschaffung ist es unerheblich, ob es sich bei dem angeschafften Wirtschaftsgut um ein neues oder ein gebrauchtes Wirtschaftsgut handelt.

Für diese Wirtschaftsgüter kann statt einer linearen Abschreibung (Abschreibung in gleichen Jahresbeträgen) die degressive Abschreibung beansprucht werden. Bei der degressiven Abschreibung nach § 7 Abs. 2 EStG n. F. handelt es sich um eine sog. degressive Buchwertabschreibung (Abschreibung vom Restwert nach einem gleichbleibenden Abschreibungssatz). Die
Jahres-Abschreibungsbeträge sind somit in den ersten Jahren der Nutzung besonders hoch und verringern sich dann von Jahr zu Jahr durch Verminderung des Restwertes.

Der dabei anzuwendende degressive Abschreibungssatz darf höchstens das 2,5-fache des linearen Abschreibungssatzes, jedoch maximal 25 % betragen.

Beispiel:
Die Kosten einer am 01.01.2020 angeschafften Maschine betragen
50.000 EUR. Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer beträgt 8 Jahre. Der lineare Abschreibungssatz beträgt somit 12,5 %.
Lineare Abschreibung (wie Rechtslage zuvor):
2020 bis 2027: Anschaffungskosten 50.000 EUR x 12,5 % = 6.250 EUR p.a.

Neue degressive Abschreibung:
2,5 x 12,50 % = 31,25 %; Maximal 25 %

2020: Anschaffungskosten 50.000 EUR x 25 % = 12.500 EUR in 2020.
2021: Restwert 37.500 EUR x 25 % = 9.375 EUR in 2021.
Folgejahre jeweils vom Restwert 25 %.

Wurde das Wirtschaftsgut unter dem Jahr angeschafft oder hergestellt, kann nur der anteilige Jahres-Abschreibungsbetrag geltend gemacht werden (§ 7 Abs. 1 S. 4 EStG gilt entsprechend). Wird die degressive Abschreibung in Anspruch genommen, sind außerplanmäßige Abschreibungen aufgrund außergewöhnlicher technischer oder wirtschaftlicher Abnutzung nicht möglich.

Da § 7 Absatz 2 EStG n. F. ausdrücklich Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens bezeichnet, findet die Möglichkeit der degressiven Abschreibung nur bei Gewinneinkünften Anwendung und kann daher beispielsweise nicht bei der Abschreibung von Wirtschaftsgütern im Rahmen von Einkünften aus Vermietung und Verpachtung angewendet werden.

Unerheblich ist allerdings, ob der Gewinn durch Betriebsvermögensvergleich nach §§ 4 Abs. 1, 5 EStG oder durch Einnahmen-Überschuss-Rechnung nach § 4 Abs. 3 EStG ermittelt wird.

Vegard Maisenbacher
Steuerberater
vmaisenbacher@mhp-kanzlei.de

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