Unterhaltungsleistungen — Der Zeitpunkt der Zahlung ist entscheidend

Unterhaltsleistungen gegenüber gesetzlich unterhaltsberechtigten Personen können sich in der Einkommensteuererklärung als außergewöhnliche Belastung steuermindernd auswirken. Als Unterhaltsempfänger kommen (Schwieger-) Eltern, im Ausland lebenden Ehegatten oder z. B. auch erwachsene Kinder, für die kein Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag besteht, in Betracht.
 

Voraussetzung für den Abzug ist, dass die unterhaltene Person kein oder nur ein geringes Vermögen besitzt und daher unterhaltsbedürftig ist.

In der Einkommensteuererklärung 2020 kann ein Höchstbetrag von 9.408 EUR angesetzt werden. Ab dem Veranlagungszeitraum 2021 beträgt der Unterhaltshöchstbetrag 9.744 EUR.

Unterhaltsleistungen können sowohl Geldleistungen als auch Sachleistungen sein. Wichtig ist, dass es sich hierbei um zwingend typische Aufwendungen zur Bestreitung des Lebensunterhalts handeln muss. Die Zahlungen können sowohl laufend erfolgen als auch einmalig, gelegentlich oder unregelmäßig.

Es muss allerdings darauf geachtet werden, wann die Unterhaltszahlungen erfolgen. Unterhaltsleistungen dürfen nämlich nicht auf Monate zurückbezogen werden, die vor dem Zahlungsmonat liegen. Es wird davon ausgegangen, dass es sich um eine Zahlung handelt, um die zukünftigen Lebenshaltungskosten abzudecken. Außerdem ist die Zahlung nur im Abflussjahr steuermindernd zu berücksichtigen.
 

Beispiel:
Der Steuerpflichtige unterstützt seinen bedürftigen Vater mit einer einmaligen Zahlung von 5.000 EUR. Er überweist den Betrag im Dezember 2020 an seinen Vater.

Da die Zahlung im Dezember erfolgt kann nur 1/12 des Unterhaltshöchstbetrags angesetzt werden. Das heißt, von den 5.000 EUR sind nur 784 EUR (Höchstbetrag 2020 9.408 EUR x 1/12) berücksichtigungsfähig. Ein Ansatz des verbleibenden Betrags in der Steuererklärung 2021 ist nicht möglich, da hier kein Abfluss stattgefunden hat.

Das Finanzamt prüft dann auch noch, ob die Unterhaltszahlungen in einem angemessenen Verhältnis zum Nettoeinkommen des Steuerpflichtigen stehen. Das heißt, ihm muss trotz der Unterhaltszahlungen genug Geld verbleiben, um seinen eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten (sogenannte Opfergrenze).

Eine Ausnahme hiervon gilt bei Unterhaltszahlungen an den Ehegatten. Hier wird davon ausgegangen, dass die Zahlung zur Deckung des Lebensunterhalts für das gesamte Jahr gilt. Es erfolgt also keine Kürzung für Monate, die vor dem Zahlungsmonat liegen. Auch eine Berechnung der Opfergrenze gibt es hier nicht.

Die Unterhaltsleistungen sind nachzuweisen, am besten anhand von Bankbelegen und Kontoauszügen. Bei Barzahlungen erfolgt im Idealfall eine Abhebung am Geldautomat und die Übergabe muss dokumentiert werden. Erfolgen Unterhaltszahlungen an Verwandte im Ausland gilt eine höhere Beweisbeschaffungspflicht. Die Bedürftigkeit des Unterhaltsempfängers kann hier mithilfe einer zweisprachigen Unterhaltserklärung erfolgen, die in den gängigsten Sprachen vom Bundesfinanzministerium zur Verfügung gestellt wird.
 

Fazit:
Mit Ausnahme von Unterhaltsleistungen an den Ehegatten sollten die Zahlungen laufend oder zu Beginn des Jahres unbar erfolgen, um eine anteilige Kürzung des Höchstbetrags für Monate vor der Zahlung zu vermeiden.

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